Die Praxis ist keine Entscheidung, sondern eine Abfolge
Zwischen der ersten Anstellung und der eigenen Praxis liegen vier klar unterscheidbare Stufen. Jede verändert das Verhältnis von Einkommen, Verantwortung und Risiko – und jede lässt sich einzeln verhandeln. Wer das weiß, muss sich nicht zwischen Anstellung und Selbstständigkeit entscheiden, sondern nur für den nächsten Schritt.
- Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte
- −1,3 %Veränderung gegenüber Vorjahr
- Angestellt im ambulanten Sektor
- +6,7 %Veränderung gegenüber Vorjahr
- Typische Stufen bis zur Inhaberschaft
- 4einzeln verhandelbar
- Übliche Dauer der Übergangsphase
- 2–5 Jahrevon der Anstellung zur Beteiligung
Veränderungsraten: Bundesärztekammer, Ärztestatistik zum 31.12.2025. Stufen und Dauer: Sanovetis-Beobachtung, Demonstrationswerte für den Entwurf.
Der Rückgang bei den Niedergelassenen ist kein Rückgang des ambulanten Sektors – er ist eine Verschiebung der Rechtsform.
Die Zahl der Ärztinnen und Ärzte in eigener Praxis sinkt, während die Anstellung im ambulanten Bereich um 6,7 Prozent zulegt. Ambulante Medizin verschwindet also nicht, sie organisiert sich neu. Für die eigene Planung heißt das: Die Niederlassung ist heute eine Option unter mehreren, nicht mehr der einzige Weg in die Praxis.
Vier Stufen wirtschaftlicher Beteiligung
Jede Stufe verschiebt das Verhältnis von Einkommen, Gestaltungsspielraum und Risiko. Die Balken zeigen die typische Ausprägung im Verhältnis der Stufen zueinander.
Relative Einordnung als Demonstrationswert für den Entwurf
Festgehalt, geregelte Arbeitszeit, keine wirtschaftliche Verantwortung. Der übliche Einstieg – und für viele die dauerhafte Lösung.
Grundgehalt plus variabler Anteil am eigenen Leistungsvolumen. Der erste Schritt, bei dem eigene Entscheidungen unmittelbar auf das Einkommen wirken.
Gesellschafterstellung mit Anteil an Gewinn und Verbindlichkeiten. Mitsprache bei Investitionen, Personal und Ausrichtung – und Mithaftung.
Voller Gestaltungsspielraum, volle Verantwortung für Personal, Investitionen und Abrechnung. Der Kaufpreis einer bestehenden Praxis ist dabei selten die entscheidende Größe.
Was von einem Praxisumsatz übrig bleibt
Stark vereinfachtes Schema für eine hausärztliche Einzelpraxis. Es dient dazu, die Größenordnungen zu zeigen – nicht dazu, eine Praxis zu bewerten. Reale Werte unterscheiden sich je nach Fachrichtung, Region und Leistungsspektrum erheblich.
| Position | Betrag pro Jahr |
|---|---|
| Jahresumsatz der Praxis | 420.000 € |
| Personalkosten | −138.000 € |
| Raumkosten, Miete und Nebenkosten | −42.000 € |
| Geräte, Material, Labor | −48.000 € |
| Versicherungen, IT, Verwaltung | −26.000 € |
| Abschreibung und Zinsen | −22.000 € |
| Ergebnis vor Steuern | 144.000 € |
Warum die Ausgangslage heute günstiger ist als noch vor zehn Jahren
- Mehr Praxen suchen Nachfolge. Der Rückgang bei den Niedergelassenen bedeutet auch: Es gibt mehr abgabewillige Praxen als übernahmebereite Ärztinnen und Ärzte. Das verbessert die Verhandlungsposition der Übernehmenden spürbar – besonders außerhalb der Ballungsräume.
- Mehr Modelle als früher. Neben der Einzelpraxis stehen Berufsausübungsgemeinschaft, Teilzulassung, überörtliche Kooperation und die Anstellung im MVZ zur Verfügung. Der Einstieg muss nicht mehr die volle Zulassung sein.
- Übergänge sind planbar. Übliche Modelle sehen eine Anstellung mit anschließender Beteiligung vor. Zwei bis fünf Jahre Übergangsphase sind üblich und geben beiden Seiten Zeit, die Zusammenarbeit zu prüfen.
Häufige Fragen
Kurz beantwortet
Lohnt sich die Niederlassung finanziell?
Sie kann sich lohnen, aber nicht automatisch. Aus dem Praxisergebnis sind Altersvorsorge, Krankenversicherung, Steuern und Rücklagen zu bestreiten, die in einer Anstellung teilweise vom Arbeitgeber getragen werden. Der ehrliche Vergleich lautet deshalb nicht Umsatz gegen Bruttogehalt, sondern verfügbares Einkommen nach allen Abzügen gegen Nettogehalt.
Kann ich in der Praxis arbeiten, ohne mich niederzulassen?
Ja, und das ist inzwischen der häufigere Weg. Die Anstellung im ambulanten Bereich ist zuletzt um 6,7 Prozent gewachsen, während die Zahl der Niedergelassenen zurückging. Angestellte Tätigkeit in Praxis oder MVZ bietet ambulante Medizin ohne unternehmerisches Risiko.
Wie lange dauert der Weg von der Anstellung zur Teilhaberschaft?
Üblich sind zwei bis fünf Jahre. Entscheidend ist, ob die Beteiligung im Vertrag terminiert und in ihren Konditionen beschrieben ist oder nur mündlich in Aussicht gestellt wurde. Letzteres ist die häufigste Ursache für Enttäuschungen.
Was unterscheidet die Praxis vom MVZ?
Der Versorgungsauftrag: In der Praxis liegt er bei der Ärztin oder dem Arzt, im MVZ bei der Einrichtung. Daraus folgen die Unterschiede bei Haftung, Gestaltungsspielraum und Beteiligungsmöglichkeiten.
Methodik
Das Stufenmodell beschreibt die in Sanovetis-Gesprächen am häufigsten anzutreffenden Beteiligungsformen. Einkommenspotenzial und Risiko sind relative Einordnungen zueinander, keine absoluten Größen.
- Das Rechenbeispiel ist ein Schema zur Veranschaulichung der Kostenstruktur, keine Praxisbewertung.
- Sämtliche Zahlen im Rechenbeispiel sind Demonstrationswerte.
- Für eine belastbare Bewertung sind Steuerberatung und, bei Übernahmen, eine Praxiswertermittlung erforderlich.
Datenbasis und Quellen
- Bundesärztekammer: Ärztestatistik zum 31.12.2025, Entwicklung der Niederlassung und der ambulanten Anstellung.
- Kassenärztliche Bundesvereinigung: Statistik zu Praxen und Ärzten nach Praxisform.
- Sanovetis: Kandidatengespräche zu Beteiligungs- und Übernahmemodellen.
Zuletzt aktualisiert: August 2026
Den nächsten Schritt einordnen – nicht gleich den übernächsten
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