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Weiterbildung nach Fachrichtung

Die Zahl auf dem Papier sagt Ihnen, wann Sie frühestens fertig sind. Nicht, wann Sie es sind.

60 oder 72 Monate — das ist die Mindestweiterbildungszeit nach der Weiterbildungsordnung. Wie lange Ihre Weiterbildung tatsächlich dauert, entscheidet sich an Befugnisumfang, Rotationen und Pflichtzeiten. Diese Seite zeigt beides: die Vorgaben je Fachrichtung und die Punkte, an denen sich der reale Zeitplan verschiebt.

Arzt bei einer Untersuchung während der Weiterbildung

Kurz gesagt.

Nach der (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018 der Bundesärztekammer beträgt die Mindestweiterbildungszeit in den meisten Gebieten 60 Monate. In den chirurgischen Gebieten, in der Neurochirurgie, in der Pathologie sowie in den Schwerpunkt-Fachgebieten der Inneren Medizin sind es 72 Monate.

Verbindlich ist aber nicht die Musterordnung, sondern die Weiterbildungsordnung Ihrer Landesärztekammer. Sie kann in Details abweichen. Diese Seite ordnet die Zahlen nach Fachrichtungen; wie Befugnis, Teilzeit, eLogbuch und Facharztprüfung funktionieren, steht auf der Seite Facharztweiterbildung.

Die Übersicht

Mindestweiterbildungszeiten in den Fachrichtungen, die wir besetzen.

Die Angaben folgen der MWBO 2018. Sie beschreiben die Mindestzeit unter Befugnis an zugelassenen Weiterbildungsstätten — nicht die durchschnittliche Dauer bis zur Facharztanerkennung.

Mindestweiterbildungszeit nach MWBO 2018
FachrichtungMindestzeitBesonderheit
Allgemeinmedizin60 MonateDavon 24 Monate ambulant hausärztlich, 12 Monate Innere Medizin in der stationären Akutversorgung, 6 Monate in einem weiteren Gebiet. Zusätzlich 80 Stunden Kurs-Weiterbildung Psychosomatische Grundversorgung.
Innere Medizin60 MonateGilt für die allgemeininternistische Facharztbezeichnung. Die Schwerpunkt-Fachgebiete der Inneren Medizin liegen bei 72 Monaten.
Haut- und Geschlechtskrankheiten60 MonateZusatz-Weiterbildung Dermatopathologie: 24 Monate zusätzlich nach der Facharztanerkennung.
Innere Medizin und Endokrinologie und Diabetologie72 MonateSchwerpunkt-Fachgebiet der Inneren Medizin — deshalb zwölf Monate länger als die allgemeininternistische Weiterbildung.
Diabetologie12 MonateZusatz-Weiterbildung, kein eigenes Gebiet. Setzt die Facharztanerkennung in Allgemeinmedizin, Innerer Medizin oder Kinder- und Jugendmedizin voraus.
Frauenheilkunde und Geburtshilfe60 MonateZusätzlich 80 Stunden Kurs-Weiterbildung Psychosomatische Grundversorgung. Drei Schwerpunkte mit je 24 Monaten.
Neurologie60 MonateDie Zusatz-Weiterbildungen Intensivmedizin (18 Monate) und Geriatrie (18 Monate) sind aus der Neurologie heraus zugänglich.
Psychiatrie und Psychotherapie60 MonateSchwerpunkt Forensische Psychiatrie: 24 Monate zusätzlich.
Psychosomatische Medizin und Psychotherapie60 MonateEigenständiges Gebiet, nicht Schwerpunkt der Psychiatrie.
Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie60 MonateEigenständiges Gebiet mit eigener Facharztbezeichnung.
Radiologie60 MonateNuklearmedizin ist ein eigenes Gebiet, ebenfalls 60 Monate. Schwerpunkte Neuroradiologie und Kinder- und Jugendradiologie: je 24 Monate.
Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie72 MonatePalliativmedizin ist eine Zusatz-Weiterbildung: Facharztanerkennung plus 40 Stunden Kurs, 120 Stunden Fallseminare und Tätigkeit unter Befugnis.

Quelle: Bundesärztekammer, (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018, Abschnitt B und C. Maßgeblich für Ihre Anerkennung ist die Weiterbildungsordnung Ihrer Landesärztekammer.

Die drei Ebenen

Facharzt, Schwerpunkt, Zusatz-Weiterbildung — drei Wege mit drei Logiken.

Ebene 1

Facharztbezeichnung

Die Weiterbildung in einem Gebiet. Sie schließt mit der Facharztprüfung bei der Landesärztekammer ab und ist die Voraussetzung für Oberarztfunktionen, Niederlassung und Anstellung im MVZ.

Ebene 2

Schwerpunkt

Eine Spezialisierung innerhalb des Gebiets, in der Regel 24 Monate nach der Facharztanerkennung. Beispiele: Neuroradiologie, Forensische Psychiatrie, Gynäkologische Onkologie.

Ebene 3

Zusatz-Weiterbildung

Eine ergänzende Qualifikation, die aus mehreren Gebieten heraus erreichbar ist — etwa Palliativmedizin, Intensivmedizin, Geriatrie oder Diabetologie. Umfang und Voraussetzungen unterscheiden sich stark.

Warum die Zahlen auseinandergehen

Vier Gründe, aus denen ein Fach länger dauert als das andere.

Eigenes Gebiet oder Schwerpunkt-Fachgebiet

Die allgemeininternistische Weiterbildung dauert 60 Monate. Wer Kardiologie, Gastroenterologie, Nephrologie, Pneumologie, Hämatologie und Onkologie, Endokrinologie und Diabetologie, Angiologie, Rheumatologie oder Infektiologie anstrebt, absolviert eine eigene Facharztweiterbildung über 72 Monate — nicht 60 plus Aufsatz.

Operative Gebiete arbeiten mit einer gemeinsamen Basis

Alle chirurgischen Facharztbezeichnungen liegen bei 72 Monaten, ebenso Neurochirurgie und Pathologie. Der Grund ist die gemeinsame Basisweiterbildung, die vor der eigentlichen Spezialisierung liegt.

Pflichtzeiten außerhalb des eigenen Fachs

Nur wenige Gebiete schreiben Abschnitte außerhalb der eigenen Abteilung vor. Am deutlichsten die Allgemeinmedizin: 24 Monate ambulant hausärztlich und zwölf Monate stationäre Innere Medizin. Wer solche Abschnitte spät plant, verliert Zeit, weil die Plätze belegt sind.

Kurs-Weiterbildungen, die neben dem Dienst laufen

Allgemeinmedizin, Frauenheilkunde und Geburtshilfe sowie Kinder- und Jugendmedizin verlangen zusätzlich 80 Stunden Psychosomatische Grundversorgung. Diese Stunden zählen nicht als Weiterbildungszeit, sondern kommen obendrauf.

Was danach möglich ist

Welche Zusatz-Weiterbildung aus welchem Fach erreichbar ist.

Zusatz-Weiterbildungen sind nicht an ein einzelnes Gebiet gebunden. Welche Ihnen offenstehen, entscheidet sich mit Ihrer Facharztwahl — oft Jahre bevor die Frage überhaupt auftaucht.

Zugangsvoraussetzungen nach MWBO 2018, Auswahl
Zusatz-WeiterbildungUmfangZugänglich aus
Intensivmedizin18 MonateAnästhesiologie, Chirurgie, Innere Medizin, Kinder- und Jugendmedizin, Neurochirurgie, Neurologie
Geriatrie18 MonateAllgemeinmedizin, Innere Medizin, Neurologie, Physikalische und Rehabilitative Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie
PalliativmedizinKurs + FallseminareJedes Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung, nach der Facharztanerkennung: 40 Stunden Kurs, 120 Stunden Fallseminare, Tätigkeit unter Befugnis
Diabetologie12 MonateAllgemeinmedizin, Innere Medizin, Kinder- und Jugendmedizin
Medikamentöse Tumortherapie12 MonateChirurgie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Innere Medizin, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Neurochirurgie, Neurologie
Psychotherapieunter BefugnisJedes Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung
Klinische Akut- und Notfallmedizin24 MonateJedes Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung, zusätzlich 80 Stunden Kurs-Weiterbildung
Dermatopathologie24 MonateHaut- und Geschlechtskrankheiten

Quelle: Bundesärztekammer, (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018, Abschnitt C. Die Zusatz-Weiterbildung Notfallmedizin ist bereits nach 24 Monaten stationärer Tätigkeit in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung zugänglich und setzt keine Facharztanerkennung voraus.

Wo Sie weiterlesen

Diese Seite beantwortet das Was. Die Regeln stehen nebenan.

Wie die Weiterbildungsbefugnis funktioniert, warum die Landesärztekammer und nicht die Bundesärztekammer entscheidet, wie eLogbuch, Weiterbildungsgespräch und Facharztprüfung ablaufen und was bei Teilzeit oder Arbeitgeberwechsel gilt: Das steht vollständig auf unserer Seite zur Facharztweiterbildung. Wenn die Fachrichtung selbst noch offen ist, hilft der Fachrichtungs-Check weiter — sechs Fragen, drei Vorschläge, ohne Formular.

Häufige Fragen

Was uns zu den einzelnen Fachrichtungen gefragt wird.

Warum dauert die Innere Medizin 60 Monate, die Kardiologie aber 72?

Die allgemeininternistische Facharztbezeichnung umfasst 60 Monate. Kardiologie, Gastroenterologie, Nephrologie, Pneumologie, Hämatologie und Onkologie, Endokrinologie und Diabetologie, Angiologie, Rheumatologie und Infektiologie sind jeweils eigene Facharztbezeichnungen mit 72 Monaten. Es handelt sich nicht um Zusatzzeiten auf die Innere Medizin, sondern um eigenständige Weiterbildungsgänge.

Ist die Psychosomatische Medizin ein Schwerpunkt der Psychiatrie?

Nein. Psychosomatische Medizin und Psychotherapie ist ein eigenes Gebiet mit eigener Facharztbezeichnung und 60 Monaten Mindestweiterbildungszeit — ebenso wie Psychiatrie und Psychotherapie und wie Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie. Die drei Gebiete stehen nebeneinander, nicht übereinander.

Kann ich Palliativmedizin aus jedem Fach heraus erreichen?

Aus jedem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung, ja — aber erst nach der Facharztanerkennung. Hinzu kommen 40 Stunden Kurs-Weiterbildung, 120 Stunden Fallseminare und Tätigkeit unter Befugnis. Die Zusatz-Weiterbildung Notfallmedizin ist dagegen schon nach 24 Monaten stationärer Tätigkeit zugänglich, also deutlich früher.

Worin unterscheiden sich Radiologie und Nuklearmedizin?

Es sind zwei eigene Gebiete mit je 60 Monaten Weiterbildungszeit und je eigener Facharztbezeichnung. Die Radiologie kennt zusätzlich die Schwerpunkte Neuroradiologie und Kinder- und Jugendradiologie mit je 24 Monaten. Für den Wechsel zwischen beiden Gebieten gibt es die Zusatz-Weiterbildungen Nuklearmedizinische Diagnostik für Radiologen und Röntgendiagnostik für Nuklearmediziner mit je 24 Monaten.

Ist Diabetologie eine Facharztbezeichnung?

Nein. Diabetologie ist eine Zusatz-Weiterbildung von zwölf Monaten und setzt die Facharztanerkennung in Allgemeinmedizin, Innerer Medizin oder Kinder- und Jugendmedizin voraus. Davon zu unterscheiden ist der Facharzt für Innere Medizin und Endokrinologie und Diabetologie — ein eigenes Schwerpunkt-Fachgebiet mit 72 Monaten.

Was passiert mit meinen Zeiten, wenn ich die Fachrichtung wechsle?

Das hängt davon ab, wie nah sich die Gebiete stehen. Innerhalb der Inneren Medizin lassen sich Abschnitte häufig anrechnen, zwischen weit entfernten Gebieten oft gar nicht. Verbindlich entscheidet darüber die Landesärztekammer, bei der Sie die Anerkennung beantragen — und zwar auf Antrag im Einzelfall, nicht nach einer allgemeinen Tabelle.

Ein Gespräch verpflichtet Sie zu nichts.

Wenn Sie wissen wollen, ob eine konkrete Stelle Ihren Weiterbildungsplan in Ihrer Fachrichtung trägt: Wir prüfen Befugnisumfang, Rotationen und Teambesetzung, bevor Sie sich bewerben. Vertraulich und ohne Kosten für Sie.