Marktdaten & Insights Für Ärztinnen und Ärzte Marktberichte

Regionaler Marktbericht 2026

Es gibt keinen deutschen Ärztearbeitsmarkt. Es gibt sechzehn.

Wo Ärztinnen und Ärzte gesucht werden, hängt weniger vom Fach ab als von der Postleitzahl. Dieser Bericht ordnet die regionale Verteilung: wo die Ärzteschaft konzentriert ist, wo Versorgung amtlich als gefährdet gilt und was beides für eine Bewerbung bedeutet.

120Einwohner kommen in Hamburg rechnerisch auf eine berufstätige Ärztin oder einen Arzt
196in Brandenburg – dem Schlusslicht unter den Bundesländern
40Planungsbereiche mit festgestellter Unterversorgung, überwiegend hausärztlich
958Fälle, in denen ein Planungsbereich den Versorgungsgrad von 140 Prozent überschritt

Kurz gesagt

Vier Befunde aus den aktuellen Zahlen.

  • Unter- und Überversorgung existieren gleichzeitig. Während 40 Planungsbereiche als unterversorgt gelten und 173 als von Unterversorgung bedroht, wurde im vierten Quartal 2025 in 958 Fällen ein Versorgungsgrad von über 140 Prozent festgestellt. Der Mangel ist ein Verteilungsproblem, kein reines Mengenproblem.
  • Die Spanne zwischen Stadt und Fläche ist größer als jede Fachrichtungsdifferenz. Zwischen Hamburg und Brandenburg liegen 76 Einwohner je berufstätigem Arzt – ein Unterschied von rund 63 Prozent.
  • Wo viele Ärztinnen und Ärzte sind, ist auch die Konkurrenz groß. Die drei größten Kammerbezirke vereinen fast die Hälfte der Ärzteschaft. Genau dort sind Stellen am schwersten zu bekommen und am schlechtesten zu verhandeln.
  • Der eigene Radius entscheidet mehr als das Bundesland. Zwischen einem Ballungsraum und der Region 60 Kilometer weiter liegen oft Welten – innerhalb desselben Bundeslandes.

Verteilung

Wo die 446.120 berufstätigen Ärztinnen und Ärzte arbeiten.

Die Bundesärztekammer zählt nach Kammerbezirken, nicht nach Bundesländern. Nordrhein-Westfalen hat deshalb zwei Kammern: Nordrhein und Westfalen-Lippe. Zusammengenommen ist es der mit Abstand größte Markt.

Nordrhein-Westfalen gesamt96.425
Bayern74.510
Baden-Württemberg57.416
davon Kammerbezirk Nordrhein55.482
davon Westfalen-Lippe40.943

Bundesärztekammer, Ärztestatistik zum 31.12.2025. Diese drei Länder stellen zusammen 228.351 der 446.120 berufstätigen Ärztinnen und Ärzte – rund 51 Prozent.

Ärztedichte

Was die Zahl aussagt – und was nicht.

Die Ärztedichte gibt an, wie viele Einwohnerinnen und Einwohner rechnerisch auf eine berufstätige Ärztin oder einen berufstätigen Arzt kommen. Je niedriger der Wert, desto dichter die Versorgung.

Die Spitzengruppe: die Stadtstaaten

Hamburg120 Einwohner je Arzt
Berlin141 Einwohner je Arzt
Bremen160 Einwohner je Arzt
Brandenburg196 Einwohner je Arzt

Bundesärztekammer, Ärztestatistik zum 31.12.2025.

Warum die Zahl in die Irre führen kann

  • Stadtstaaten versorgen ihr Umland mit. Die Universitätskliniken in Hamburg oder Berlin behandeln Menschen, die dort nicht gemeldet sind.
  • Gezählt werden alle berufstätigen Ärztinnen und Ärzte – auch die, die in Verwaltung, Forschung oder Industrie arbeiten und keine Patienten sehen.
  • Teilzeit wird nicht berücksichtigt. Zwei Ärztinnen in Teilzeit zählen wie zwei in Vollzeit.
  • Der Wert sagt nichts über die Altersstruktur. Eine Region mit vielen Praxisinhaberinnen über 60 kann heute gut versorgt sein und in fünf Jahren nicht mehr.

Zwei Landkarten

Unterversorgung und Überversorgung nebeneinander.

Die Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigungen zeigt beides gleichzeitig – und zwar für dasselbe Jahr.

Wo es zu wenige gibt

40 Planungsbereiche mit festgestellter Unterversorgung, überwiegend im hausärztlichen Bereich. 173 weitere gelten als von Unterversorgung bedroht. Zusätzlichen lokalen Versorgungsbedarf stellten drei Kassenärztliche Vereinigungen fest – alle im Osten Deutschlands.

Für Bewerberinnen und Bewerber bedeutet das: Förderprogramme, kürzere Verfahren und deutlich mehr Verhandlungsspielraum – bei Anstellung wie bei Niederlassung.

Wo es rechnerisch zu viele gibt

Im vierten Quartal 2025 war in 958 Fällen ein Planungsbereich davon betroffen, dass der allgemeine bedarfsgerechte Versorgungsgrad um mehr als 40 Prozent überschritten wurde – die Schwelle, ab der ein Praxisaufkauf bei Nachbesetzung möglich wird.

Für Bewerberinnen und Bewerber bedeutet das: gesperrte Planungsbereiche, teure Sitze und im Klinikbereich viele qualifizierte Mitbewerber auf dieselbe Stelle.

Kassenärztliche Bundesvereinigung, Landesbeschlüsse zu Über- und Unterversorgung; Grundlage ist die Umfrage unter den Kassenärztlichen Vereinigungen mit Stand 31.12.2025. Die Bedarfsplanung gilt für die vertragsärztliche, also ambulante Versorgung. Für Kliniken gibt es keine vergleichbare bundesweite Planung.

Vier Regionstypen

Was der Standort für Ihre Bewerbung bedeutet.

Die amtlichen Zahlen beschreiben Versorgung. Für die eigene Bewerbung ist eine andere Einteilung nützlicher: die nach Konkurrenzlage und Verhandlungsposition.

Typ 1

Großstadt und Universitätsstandort

Hohe Ärztedichte, viele Häuser, viele Bewerberinnen und Bewerber auf dieselbe Stelle. Weiterbildung und Spezialisierung sind hier am breitesten verfügbar.

Konkurrenz
hoch
Verhandlungsspielraum
gering, meist strikt tariflich
Typische Arbeitgeber
Universitätsklinik, Maximalversorger, große MVZ-Verbünde
Stärke
Fachliche Tiefe, Forschung, Netzwerk

Typ 2

Mittelstadt und Umland der Ballungsräume

Der unterschätzte Markt. Erreichbarkeit und Infrastruktur wie in der Stadt, aber deutlich weniger Mitbewerber. Häuser der Grund- und Regelversorgung besetzen hier regelmäßig extern.

Konkurrenz
mittel
Verhandlungsspielraum
spürbar, besonders auf Oberarztebene
Typische Arbeitgeber
Schwerpunktversorger, kommunale Häuser, MVZ
Stärke
Frühe Verantwortung bei akzeptabler Lebensqualität

Typ 3

Ländlicher Raum im Osten

Hier konzentrieren sich die Feststellungen zu Unterversorgung und zusätzlichem lokalem Versorgungsbedarf. Förderprogramme der Kassenärztlichen Vereinigungen sind hier am ausgeprägtesten.

Konkurrenz
gering
Verhandlungsspielraum
groß, auch bei Arbeitszeit und Fortbildung
Typische Arbeitgeber
Grund- und Regelversorger, kommunale MVZ, Praxen mit Nachfolgebedarf
Stärke
Schnelle Verantwortung, Fördermittel, planbare Perspektive

Typ 4

Ländlicher Raum im Westen und Grenzregionen

Gute Verkehrsanbindung, aber Konkurrenz um Personal mit den Nachbarregionen und teils mit dem Ausland. Die Lage unterscheidet sich hier stärker von Kreis zu Kreis als von Bundesland zu Bundesland.

Konkurrenz
gering bis mittel
Verhandlungsspielraum
mittel bis groß
Typische Arbeitgeber
Regelversorger, Fachkliniken, Rehabilitationseinrichtungen
Stärke
Häufig gute Vereinbarkeit und niedrige Lebenshaltungskosten

Radius

Warum der Suchradius wichtiger ist als das Bundesland.

Dreißig Kilometer verändern den Markt

Zwischen einem Universitätsstandort und dem nächsten Regelversorger liegt oft eine halbe Autostunde – und ein völlig anderes Bewerberfeld.

Zählen Sie Häuser, nicht Städte

Entscheidend ist, wie viele Kliniken Ihres Fachs in Ihrem Radius liegen. Zwei sind eine Zwangslage, sechs sind ein Markt.

Rechnen Sie den Weg realistisch

Nicht die Kilometer entscheiden, sondern die Fahrzeit zum Dienstbeginn und nach einer Nacht im Dienst.

Prüfen Sie die Perspektive des Hauses

Trägerschaft, Fusionen, Bau- und Investitionsentscheidungen sagen mehr über die nächsten fünf Jahre als die aktuelle Stellenanzeige.

Einkommen

Regionale Unterschiede beim Verdienst – und wo sie herkommen.

FaktorRegional unterschiedlich?Erläuterung
Tarifliches GrundgehaltNeinTV-Ärzte/VKA und TV-Ärzte/TdL gelten bundesweit einheitlich
Tarifbindung des HausesJaNicht jedes Haus ist tarifgebunden; private Träger nutzen teils Haustarife
Dienst- und BereitschaftsanteilJaKleine Häuser mit dünner Personaldecke bedeuten mehr Dienste und damit mehr Zuschläge
Außertarifliche BestandteileJaIn Regionen mit Besetzungsproblemen deutlich häufiger und höher
Förderung bei NiederlassungJaSicherstellungszuschläge und Fördermittel greifen vor allem in unterversorgten Bereichen
LebenshaltungskostenJaWohnkosten verändern das verfügbare Einkommen stärker als die Entgeltstufe

Konkrete Entgelttabellen und Spannen finden Sie auf unserer Seite zu Arztgehältern und Vergütung.

Vorbereitung

Acht Punkte, mit denen Sie eine Region prüfen.

Wie viele Häuser meines Fachs liegen in 45 Minuten Fahrzeit?
Gilt der Planungsbereich als unterversorgt, bedroht oder gesperrt?
Wer ist Träger – kommunal, freigemeinnützig, privat – und wie stabil ist er?
Gibt es Fusions-, Schließungs- oder Umbaupläne in der Region?
Wie ist die Altersstruktur der niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen?
Welche Weiterbildungsbefugnisse bestehen im Haus und für wie viele Jahre?
Was kostet Wohnen dort – Miete oder Kauf – im Verhältnis zum Einkommen?
Was spricht für einen Verbleib, wenn die Stelle nach drei Jahren nicht mehr passt?

Häufige Fragen

Was uns zum regionalen Markt am häufigsten gefragt wird.

Verdiene ich in einer unterversorgten Region mehr?

Nicht automatisch. Das tarifliche Grundgehalt ist bundesweit gleich. Höher liegt das tatsächliche Einkommen dort meist aus zwei anderen Gründen: mehr Dienste bei dünner Personaldecke und häufiger außertarifliche Bestandteile, weil die Stelle sonst nicht zu besetzen ist. Bei einer Niederlassung kommen Fördermittel und Sicherstellungszuschläge hinzu.

Bedeutet eine hohe Ärztedichte, dass ich dort keine Stelle finde?

Nein, aber die Konkurrenz ist größer und die Verhandlungsposition schwächer. In Ballungsräumen werden Stellen häufig intern besetzt oder aus dem eigenen Weiterbildungsbestand. Wer dorthin will, sollte früher und breiter suchen und mit längeren Verfahren rechnen.

Gilt die Bedarfsplanung auch für Klinikstellen?

Nein. Die Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigungen regelt ausschließlich die vertragsärztliche, also ambulante Versorgung. Für Krankenhäuser gibt es keine vergleichbare bundesweite Planung; hier entscheiden die Krankenhausplanung der Länder und die wirtschaftliche Lage der Träger.

Warum weichen die Zahlen zur Ärztedichte je nach Quelle voneinander ab?

Weil unterschiedliche Grundgesamtheiten gezählt werden: alle berufstätigen Ärztinnen und Ärzte, nur die ambulant tätigen, nur die an der Versorgung teilnehmenden – und teils je 10.000 oder je 100.000 Einwohner. Die hier genannten Werte stammen einheitlich aus der Ärztestatistik der Bundesärztekammer und beziehen sich auf alle berufstätigen Ärztinnen und Ärzte.

Lohnt sich ein Wechsel in eine strukturschwache Region?

Das lässt sich nur individuell beantworten. Fachlich lohnt es sich häufig, weil Verantwortung früher übertragen wird. Persönlich hängt es an Faktoren, die keine Statistik abbildet: Partnerberuf, Schulen, Familiennähe, Rückkehroption. Wer wechselt, sollte vorher klären, wie ein Rückweg aussähe – nicht erst danach.

Methodik und Quellen

Woher die Zahlen stammen und wie sie zu lesen sind.

  • Bundesärztekammer, Ärztestatistik zum 31.12.2025: Zahl der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte insgesamt sowie nach Kammerbezirken; Ärztedichte als Einwohnerzahl je berufstätigem Arzt.
  • Kassenärztliche Bundesvereinigung, Landesbeschlüsse zu Über- und Unterversorgung: festgestellte und drohende Unterversorgung, zusätzlicher lokaler Versorgungsbedarf sowie Überschreitungen des Versorgungsgrads von 140 Prozent nach § 103 Abs. 1 Satz 3 SGB V. Datengrundlage ist die Umfrage unter den Kassenärztlichen Vereinigungen mit Stand 31.12.2025; die Angabe zu 958 Fällen bezieht sich auf das vierte Quartal 2025.

Zur Einordnung: Die Bundesärztekammer zählt nach Kammerbezirken, nicht nach Bundesländern – Nordrhein-Westfalen umfasst deshalb zwei Kammern. Die Ärztedichte berücksichtigt weder Arbeitszeit noch Tätigkeitsbereich; sie ist ein Struktur-, kein Versorgungsqualitätsindikator. Die Bedarfsplanung bezieht sich ausschließlich auf die ambulante Versorgung. Wir aktualisieren diesen Bericht, sobald neue Jahreswerte vorliegen.

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