Die ersten 100 Tage als Chefarzt: die Abteilung übernehmen, ohne sie zu verlieren
Die Geschäftsführung erwartet Ergebnisse, das Team erwartet Orientierung, die Zuweiser erwarten Kontinuität. Und alle beobachten. Ein Plan in vier Phasen für den Start in die Abteilungsleitung: welche Gespräche zuerst, welche Zahlen sofort, welche Entscheidungen jetzt und welche später.
- Vier Phasen
- Geschäftsführung
- Oberarztteam
- Zahlen
- Zuweiser
- Fehler

Sie haben das Verfahren mit einem Konzept gewonnen. Die ersten 100 Tage entscheiden, ob es die Abteilung annimmt.
Die ersten 100 Tage als Chefarzt haben drei Adressaten: die Geschäftsführung, die Ergebnisse will; das Team, das Orientierung will; die Zuweiser, die Kontinuität wollen. Wer nur einen bedient, verliert die beiden anderen. Der Plan: Erwartungen in Ziele übersetzen, Zahlen und Menschen verstehen, wenige sichtbare Entscheidungen setzen, dann das Konzept an die Realität anpassen. Nicht umgekehrt.
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Erwartungen der Geschäftsführung in eine Zielvereinbarung übersetzen, bevor sie es tut.
Zur Phase 1 →Nach innen
Oberarztteam, Pflegeleitung, unterlegener Mitbewerber: die Gespräche, die die Abteilung halten.
Zur Phase 2 →Nach außen
Zuweiser, Rettungsdienst, Kooperationspartner: Kontinuität zeigen, bevor Patienten ausbleiben.
Zu den Zuweisern →100 Tage in vier Phasen.
- 1
Tag 1 bis 14: Erwartungen und Auftrag
Ziel: Sie wissen, woran Sie gemessen werden. Gespräche mit Geschäftsführung, Ärztlicher Direktion und Pflegedirektion. Vorstellung in der Abteilung. Einzelgespräche mit jedem Oberarzt beginnen. Zahlen anfordern.
- 2
Tag 15 bis 45: Verstehen
Ziel: Sie kennen die Abteilung besser als Ihr Konzept. Zahlen auswerten, Abläufe beobachten, Stationen und Funktionsbereiche abgehen, Gespräche mit Assistenzärzten, Pflege, Verwaltung, Zuweisern. Konzept gegen Realität prüfen.
- 3
Tag 46 bis 80: Erste Entscheidungen
Ziel: Die Abteilung sieht, dass Sie führen. Zuständigkeiten im Oberarztteam klären, zwei bis drei sichtbare Verbesserungen umsetzen, Dienstmodell und Besprechungsstruktur festlegen, offene Personalfragen entscheiden.
- 4
Tag 81 bis 100: Zielvereinbarung und Kommunikation
Ziel: Das angepasste Konzept ist vereinbart und bekannt. Zielvereinbarung mit der Geschäftsführung abschließen, Konzept im Team vorstellen, Zuweiser informieren, Plan für die Monate 4 bis 12.
Übersetzen Sie die Erwartungen der Geschäftsführung in Ziele, bevor die Geschäftsführung es tut.
Die Ziele Ihres Vertrags sind meist allgemein formuliert. In den ersten zwei Wochen sollten Sie klären, was konkret dahintersteht, welche Zahlen die Geschäftsführung im Blick hat und welchen Zeithorizont sie erwartet. Wer diese Übersetzung selbst vorschlägt, bestimmt den Maßstab mit. Wer wartet, bekommt ihn vorgesetzt.
- Geschäftsführung
Was sind die drei wichtigsten Erwartungen für das erste Jahr? Welche Zahlen werden verfolgt? Welche Investitionen sind zugesagt, welche offen? Wie ist der Entscheidungsweg für Personal und Anschaffungen?
- Ärztliche Direktion
Wo steht die Abteilung im Haus, welche Konflikte mit anderen Abteilungen gibt es, welche Erwartungen an Kooperation und Zentren?
- Pflegedirektion und Stationsleitungen
Die Pflege kennt die Abteilung von innen. Wer sie in der ersten Woche aufsucht statt in der vierten, bekommt die ehrlichere Beschreibung.
- Controlling und Medizincontrolling
Zahlen der letzten drei Jahre anfordern: Fallzahlen, Case-Mix, Verweildauer, Erlöse, Kosten, Stellenplan gegen Besetzung, Kodierqualität, MD-Prüfquoten.
- Fester Termin
Regelmäßiger Jour fixe mit der Geschäftsführung, monatlich oder öfter. Jetzt vereinbaren, solange die Aufmerksamkeit für die neue Leitung hoch ist.
- An die Geschäftsführung
Wenn wir uns in zwölf Monaten hier wieder gegenübersitzen, welche drei Zahlen sollen sich verändert haben?
Verwandelt allgemeine Erwartungen in einen Maßstab, den Sie kennen, bevor Sie an ihm gemessen werden.
- An die Geschäftsführung
Welche Entscheidungen der letzten zwei Jahre haben die Abteilung aus Ihrer Sicht am meisten geprägt, und warum?
Zeigt Ihnen die Geschichte hinter den Zahlen und die Sicht des Trägers auf Ihren Vorgänger.

Das Oberarztteam entscheidet, ob Ihre Abteilung im ersten Jahr funktioniert.
Sie übernehmen ein Team, das ein anderer aufgebaut hat. Es hat Loyalitäten, Gewohnheiten und meist einen Kollegen, der die Position selbst wollte. Die Einzelgespräche der ersten Wochen sind keine Höflichkeit, sondern die wichtigste Personalarbeit des Jahres.
- Jeder Oberarzt einzeln
Bereich, Stärken, Ziele, Belastung, was unter dem Vorgänger gut war und was nicht. Fragen Sie, was er von Ihnen braucht, nicht nur, was Sie von ihm erwarten.
- Der unterlegene Mitbewerber
Meist der Leitende Oberarzt. Ein ehrliches Gespräch über Rolle, Perspektive und Zusammenarbeit, früh und ohne Umwege. Entweder Sie gewinnen ihn als Stellvertreter, oder Sie klären, dass er geht. Der Schwebezustand ist die schlechteste Variante.
- Assistenz- und Fachärzte
Gruppengespräch und Einzelgespräche mit Weiterbildungsverantwortlichen. Weiterbildungsbefugnis, Rotationen und Dienstbelastung sind das, was junge Ärzte hält oder gehen lässt.
- Konzept gegen Realität
Legen Sie Ihr Bewerbungskonzept neben die Zahlen und die Gespräche. Was bestätigt sich, was nicht, was fehlt? Das angepasste Konzept ist Ihr Arbeitsprogramm, nicht das ursprüngliche.
Zuweiser gehen leise. Zeigen Sie ihnen früh, dass die Abteilung bleibt.
Bei einem Chefarztwechsel prüfen niedergelassene Kolleginnen und Kollegen, ob sie weiter einweisen. Sie tun das nicht laut, sondern durch weniger Patienten. Die ersten 100 Tage sind die Zeit, in der Sie das verhindern.
- Zuweiserliste vom Controlling: wer schickt wie viele Patienten, wer hat aufgehört?
- Persönlicher Besuch oder Anruf bei den zehn wichtigsten Zuweisern, nicht ein Serienbrief
- Erreichbarkeit für Zuweiser regeln: direkte Nummer, feste Ansprechpartner, Rückmeldung nach Entlassung
- Rettungsdienst und Notaufnahme: was sich ändert, was bleibt, wer entscheidet
- Kooperationspartner, Zentren, MVZ des Trägers: bestehende Vereinbarungen kennen, bevor Sie sie ändern
- Eine Zuweiserveranstaltung im ersten Halbjahr planen, nicht in den ersten Wochen
Was ein Zuweiser vom neuen Chefarzt wissen will
- Bleibt das Leistungsspektrum?
Was er bisher schicken konnte, muss er weiter schicken können. Änderungen früh und persönlich kommunizieren.
- Wen erreiche ich?
Ein direkter Draht ist mehr wert als jede Broschüre.
- Bekomme ich meine Patienten zurück?
Entlassbrief, Rückmeldung, keine Abwerbung in die eigene Ambulanz. Das entscheidet über die Zuweisung im zweiten Jahr.
Erste Entscheidungen: Struktur vor Strategie.
Die Abteilung wartet nach sechs Wochen auf ein Zeichen. Das richtige Zeichen ist nicht der große Umbau, sondern Klarheit: wer ist wofür zuständig, wann wird was besprochen, was gilt bei Diensten.
Zuständigkeiten im Oberarztteam
Wer verantwortet welchen Bereich, wer vertritt Sie, wer führt den Dienstplan. Schriftlich, im Team vorgestellt, mit klarem Startdatum.
Die Entscheidung, die die meisten Konflikte des ersten Jahres verhindertBesprechungsstruktur
Frühbesprechung, Oberarztrunde, Indikationskonferenz, M&M-Konferenz, Jour fixe mit Pflege. Feste Zeiten, feste Teilnehmer, kurze Protokolle.
Führung wird in Routinen sichtbarDienstmodell
Hintergrunddienst, Rufbereitschaft, Ausgleich, Verteilung. Transparent und für alle gleich. Ihr eigenes Dienstverhalten setzt den Maßstab.
Wer sich selbst ausnimmt, verliert das TeamZwei bis drei sichtbare Verbesserungen
Aus den Gesprächen der Phase 2: das, was das Team am häufigsten genannt hat und schnell umsetzbar ist. Übergabeformat, Visitenzeit, Gerätefrage, Sekretariat.
Kleine Erfolge finanzieren die großenOffene Personalfragen
Unbesetzte Stellen, auslaufende Verträge, Weiterbildungsbefugnis beantragen oder übertragen lassen, laufende Bewerbungsverfahren. Was der Vorgänger offen gelassen hat, wartet nicht.
Personal ist die knappste RessourceWas noch nicht dran ist
Umbau des Leistungsspektrums, Zentrumszertifizierungen, große Investitionen, Trennung von Mitarbeitern auf Basis von Eindrücken. Alles im ersten Jahr, nichts in den ersten 80 Tagen.
Reihenfolge schlägt TempoZielvereinbarung, Konzept, Kommunikation: was nach 100 Tagen stehen sollte.
- Zielvereinbarung für das erste Jahr mit der Geschäftsführung abgeschlossen, mit messbaren und beeinflussbaren Zielen
- Oberarztteam mit geklärten Zuständigkeiten, Stellvertretung geregelt
- Zahlen und Abläufe der Abteilung bekannt, Konzept daran angepasst
- Persönlicher Kontakt zu den wichtigsten Zuweisern hergestellt
- Besprechungsstruktur und Dienstmodell eingeführt
- Zwei bis drei sichtbare Verbesserungen umgesetzt
- Angepasstes Konzept im Team vorgestellt, Plan für Monat 4 bis 12 kommuniziert
- Jour fixe mit Geschäftsführung, Pflege und Oberärzten fest im Kalender
Das Konzept, das die Abteilung nach 100 Tagen kennt, sollte nicht mehr das Konzept aus dem Bewerbungsverfahren sein. Wenn es das noch ist, haben Sie nicht genug zugehört.
Sechs Fehler, die neue Chefärzte in der Anfangsphase machen.
- 01
Das Bewerbungskonzept eins zu eins umsetzen
Warum problematischDas Konzept beruht auf Außensicht. Wer es gegen die Realität durchsetzt, verliert das Team, das die Realität kennt.Besser45 Tage prüfen, dann anpassen, dann kommunizieren. Das angepasste Konzept ist das bessere. - 02
Den Vorgänger schlechtreden
Warum problematischDas Team hat unter ihm gearbeitet, oft jahrelang. Kritik am Vorgänger ist Kritik am Team.BesserAnerkennen, was aufgebaut wurde, und sagen, was Sie anders machen, ohne zu bewerten, warum es bisher so war. - 03
Den unterlegenen Mitbewerber ignorieren
Warum problematischEr hat die Loyalität des Teams und kennt jede Schwäche der Abteilung. Ungeklärt wird er zum Gegenpol.BesserIn den ersten zwei Wochen ein ehrliches Gespräch über Rolle und Perspektive. Klarheit in beide Richtungen. - 04
Die Zahlen erst bei Problemen anfordern
Warum problematischWer die Zahlen nicht kennt, führt Gespräche mit der Geschäftsführung aus der Defensive.BesserZahlen in der ersten Woche anfordern, in der vierten Woche verstanden haben, ab der achten Woche selbst verwenden. - 05
Zuweiser mit einem Rundbrief abhandeln
Warum problematischZuweiser wechseln bei Chefarztwechseln leise. Ein Brief ändert daran nichts.BesserDie zehn wichtigsten persönlich, in den ersten 100 Tagen. Der Rest über eine Veranstaltung im ersten Halbjahr. - 06
Alles selbst entscheiden wollen
Warum problematischDie Abteilung ist zu groß für eine Person. Wer nicht delegiert, wird zum Engpass, und das Oberarztteam verlernt zu entscheiden.BesserZuständigkeiten in Phase 3 klar verteilen, Entscheidungen dort lassen, wo sie hingehören, und sich auf die konzentrieren, die nur Sie treffen können.
Wir begleiten Chefärztinnen und Chefärzte über die Unterschrift hinaus.
Wer über uns in eine Leitungsposition wechselt, bleibt in den ersten Monaten mit uns im Gespräch. Wir kennen den Träger, die Vorgeschichte der Position und die Erwartungen, die im Verfahren geäußert wurden, und können einordnen, was in der Anfangsphase normal ist und was ein Warnzeichen. Und wenn Sie in den ersten 100 Tagen Personal brauchen, wissen wir, wo es zu finden ist.
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- Kein Kontakt zu Ihrem Arbeitgeber ohne Ihre Zustimmung

Was Sie als Nächstes lesen sollten.
Chefarztvertrag
Zielvereinbarung, Beteiligungsvergütung, Änderungsklauseln: was vor und nach der Unterschrift zählt.
Zur Seite → PositionKarriere als Chefarzt
Anforderungen, Auswahlverfahren und die Alternative ärztliche Leitung.
Zur Seite → StellvertretungKarriere als Leitender Oberarzt
Die Rolle, die Sie in den ersten 100 Tagen besetzen oder klären sollten.
Zur Seite →Die ersten 100 Tage als Chefarzt: fünf Fragen, fünf Antworten.
Was ist in den ersten 100 Tagen als Chefarzt am wichtigsten?
Sollte ein neuer Chefarzt sofort sein Konzept umsetzen?
Wie geht man mit dem Oberarztteam des Vorgängers um?
Welche Zahlen sollte ein neuer Chefarzt kennen?
Was sollte nach 100 Tagen als Chefarzt erreicht sein?
Stand: September 2026. Diese Seite ordnet ein und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.
Sie übernehmen eine Abteilung, oder stehen kurz davor?
Dann lohnt sich ein Gespräch über die Anfangsphase: was der Träger erwartet, wie das Team aufgestellt ist, wo Personal fehlt. Wir kennen die Häuser und sagen Ihnen, was wir sehen. Vertraulich und ohne Verpflichtung.

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