Zusatzbezeichnungen

Zusatzbezeichnung Intensivmedizin: Voraussetzungen, Dauer, Inhalte und Karrierewert

Die Zusatz-Weiterbildung Intensivmedizin ist eine der häufigsten und zugleich gefragtesten Zusatzqualifikationen in der Klinik. Wer sie machen kann, wie lange sie dauert, welche Inhalte und Richtzahlen die Musterweiterbildungsordnung vorsieht und was sie für Oberarzt- und Leitungspositionen bedeutet.

  • Voraussetzungen
  • 18 Monate
  • Inhalte
  • Gebiete
  • Karrierewert
  • Vergütung
Ärztin auf der Intensivstation
Für wen diese Seite ist
Fachärztinnen und Fachärzte
der Anästhesiologie, Inneren Medizin, Chirurgie, Neurologie, Neurochirurgie und Kinder- und Jugendmedizin, die die Zusatzbezeichnung planen oder bereits führen
Kurz gesagt

18 Monate, sechs Ausgangsgebiete, eine Qualifikation, die Intensivstationen brauchen.

Die Zusatz-Weiterbildung Intensivmedizin dauert nach der Musterweiterbildungsordnung 18 Monate unter Befugnis und steht Fachärztinnen und Fachärzten der Anästhesiologie, Chirurgie, Inneren Medizin, Kinder- und Jugendmedizin, Neurochirurgie und Neurologie offen. Sie vermittelt die Behandlung kritisch kranker Patienten über das eigene Gebiet hinaus und wird gebietsbezogen geführt. Für die Karriere ist sie weniger ein Titel als ein Schlüssel: Sie ist häufig Voraussetzung für die oberärztliche Leitung einer Intensivstation und für Leitungspositionen, in denen Intensivmedizin zum Spektrum gehört.

Die Eckdaten

Dauer18 Monate
Anrechenbar aus der Facharztweiterbildungbis 6 Monate
Mindestzeit bei Befugtem für Intensivmedizin12 Monate
Ausgangsgebiete6
Registrierte Ärzte mit der Zusatzbezeichnung (2025)15.643

Quellen: Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer (MWBO 2018, Abschnitt C, Zusatz-Weiterbildung Intensivmedizin); Ärztestatistik der Bundesärztekammer 2025. Maßgeblich ist die Weiterbildungsordnung Ihrer Landesärztekammer.

Warum sie gefragt ist
  • Intensivstationen müssen fachärztlich geführt werden, in nahezu jedem Krankenhaus
  • Strukturvorgaben und Zertifizierungen setzen intensivmedizinisch qualifizierte Ärzte voraus
  • Die Krankenhausreform bündelt komplexe Leistungen dort, wo Intensivkapazität vorhanden ist
  • Der Schichtdienst auf Intensivstationen ist personalintensiv, der Nachwuchs knapp
Voraussetzungen und Dauer

Wer sie machen kann, und wie die 18 Monate zusammenkommen.

Facharztanerkennung

In Anästhesiologie, einem Gebiet der Chirurgie, Innerer Medizin, Kinder- und Jugendmedizin, Neurochirurgie oder Neurologie. Die Zusatz-Weiterbildung beginnt formal nach der Facharztanerkennung; Zeiten davor sind nur im Rahmen der Anrechnung relevant.

Sechs Ausgangsgebiete

18 Monate unter Befugnis

An einer Weiterbildungsstätte mit Befugnis für die Zusatz-Weiterbildung Intensivmedizin im jeweiligen Gebiet. Die Befugnis kann auf den vollen oder einen Teil des Zeitraums lauten; das sollte vor Beginn geprüft werden.

Befugnisumfang der Stätte prüfen

Anrechnung

Bis zu 6 Monate intensivmedizinischer Weiterbildung aus der Facharztweiterbildung können angerechnet werden, wenn mindestens 12 Monate bei einem für Intensivmedizin Befugten abgeleistet werden. Die Anrechnung entscheidet die Landesärztekammer.

Frühzeitig bei der Kammer klären

Logbuch und Nachweise

Die Inhalte werden im eLogbuch dokumentiert und vom Befugten bestätigt. Richtzahlen sind Orientierungswerte, keine starren Mindestzahlen, müssen aber plausibel belegt sein.

Von Anfang an dokumentieren

Prüfung

Fachgespräch vor dem Prüfungsausschuss der Landesärztekammer nach Antrag auf Anerkennung. Grundlage sind Logbuch, Zeugnisse und die Inhalte der Weiterbildungsordnung.

Antrag bei der Landesärztekammer

Bezeichnung

Die Zusatzbezeichnung wird gebietsbezogen geführt, zum Beispiel „Internistische Intensivmedizin“ oder „Anästhesiologische Intensivmedizin“. Sie ist an das Ausgangsgebiet gebunden.

Kein gebietsübergreifender Titel

Angaben nach der Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer (MWBO 2018, Fassung mit späteren Änderungen). Die Landesärztekammern haben die MWBO in eigene Weiterbildungsordnungen übernommen; Abweichungen in Details, Übergangsregelungen und Anrechnungspraxis sind möglich. Verbindlich ist die Auskunft Ihrer Landesärztekammer.

Ärztliches Team auf der Intensivstation bei der Visite
Inhalte

Was die Weiterbildung vermittelt: Organersatz, Kreislauf, Beatmung, Entscheidungen.

Die MWBO beschreibt die Zusatz-Weiterbildung Intensivmedizin über gebietsübergreifende Inhalte, die für alle sechs Ausgangsgebiete gelten, und gebietsspezifische Ergänzungen mit eigenen Richtzahlen.

  • Kritisch kranke Patienten

    Aufnahme, Überwachung, Scores, Behandlung von Störungen vitaler Funktionen, Reanimation und Postreanimationsbehandlung, Transport.

  • Beatmung und Kreislauf

    Invasive und nicht-invasive Beatmung, Entwöhnung, Atemwegssicherung, hämodynamisches Monitoring, Katecholamine, Kreislaufunterstützung, Schockformen.

  • Organersatz und Sepsis

    Nierenersatzverfahren, Sepsis und Multiorganversagen, Antiinfektiva, Ernährung, Gerinnung, Analgosedierung und Delir, Neuromonitoring.

  • Entscheidungen und Kommunikation

    Therapiezieländerung und Therapiebegrenzung, Patientenverfügung, Gespräche mit Angehörigen, Organspende, Hygiene und Qualitätssicherung.

Gebietsspezifisch

Sechs Ausgangsgebiete, sechs Schwerpunkte.

Die Zusatz-Weiterbildung wird im jeweiligen Gebiet abgeleistet. Neben den gemeinsamen Inhalten setzt die MWBO gebietsspezifische Schwerpunkte und Richtzahlen. Eine Auswahl.

  • GebietTypischer SchwerpunktBeispiele aus der MWBOTypische Weiterbildungsstätte
  • AnästhesiologieAnästhesiologische IntensivmedizinSchwerpunktOperative Intensivmedizin, Polytrauma, postoperative Organunterstützung, Atemwegsmanagement.BeispielePerkutane Dilatationstracheotomie, differenzierte Beatmung, Kreislaufunterstützung nach großen Eingriffen.StätteOperative oder interdisziplinäre Intensivstation unter anästhesiologischer Leitung.
  • Innere MedizinInternistische IntensivmedizinSchwerpunktKardiologische, pneumologische und infektiologische Intensivmedizin, Sepsis, akute Organversagen.BeispieleTransvenöse temporäre Schrittmacher (Richtzahl 3), perkutane Tracheostomien (Richtzahl 10), Nierenersatzverfahren.StätteInternistische Intensivstation, Intermediate Care unter internistischer Leitung.
  • ChirurgieChirurgische IntensivmedizinSchwerpunktPostoperative und posttraumatische Intensivmedizin, abdominelle Sepsis, Polytrauma.BeispieleIntensivtherapie nach viszeral-, thorax- und unfallchirurgischen Eingriffen, Tracheostomie.StätteChirurgische oder interdisziplinäre Intensivstation.
  • Neurologie und NeurochirurgieNeurointensivmedizinSchwerpunktSchlaganfall, Hirnblutung, Schädel-Hirn-Trauma, Status epilepticus, Hirndruck.BeispieleNeuromonitoring (Richtzahl 25), Hirndrucktherapie, Hirntoddiagnostik.StätteNeurologische oder neurochirurgische Intensivstation.
  • Kinder- und JugendmedizinPädiatrische IntensivmedizinSchwerpunktIntensivmedizin bei Kindern aller Altersstufen, häufig in Abgrenzung zur Neonatologie.BeispieleAltersadaptierte Beatmung, Kreislauftherapie und Sedierung, Kindernotfälle.StättePädiatrische Intensivstation.

Richtzahlen und Inhalte nach MWBO 2018, Abschnitt C, in der Fassung der jeweiligen Landesärztekammer. Die Tabelle zeigt Beispiele, keine vollständige Liste.

Karrierewert

Die Zusatzbezeichnung ist ein Schlüssel zu Positionen, nicht ein Zuschlag auf das Gehalt.

Der TV-Ärzte/VKA kennt keine eigene Zulage für Zusatzbezeichnungen. Der Wert der Intensivmedizin entsteht über die Positionen, die sie öffnet: die oberärztliche Leitung einer Intensivstation, die Eingruppierung, die daran hängt, und die Leitungspositionen, für die Intensivmedizin Voraussetzung ist. Und über die Verhandlungsposition, wenn ein Haus genau diese Qualifikation sucht.

  • Oberarzt Intensivstation

    Die medizinische Verantwortung für die Intensivstation als Funktionsbereich ist das klassische Tätigkeitsmerkmal der Entgeltgruppe III. Die Zusatzbezeichnung ist dafür in der Regel Voraussetzung.

  • Leitungspositionen

    Chefarzt Anästhesie und Intensivmedizin, Leitung interdisziplinärer Intensivstationen, Ärztliche Leitung von Intensiv- und Notfallzentren. Ohne Zusatzbezeichnung meist nicht besetzbar.

  • Außertarifliche Verträge

    Wer eine gesuchte Qualifikation mitbringt, verhandelt Zulagen, Dienstmodelle und Entwicklungszusagen aus einer besseren Position. Zahlen dazu nennen wir nicht; sie hängen vom Haus ab.

  • Weiterbildungsbefugnis

    Wer die Zusatzbezeichnung führt, kann später selbst Befugnis beantragen. Für Abteilungen ist das ein Argument, für Bewerbungen auf Leitungspositionen auch.

  • Die Kehrseite

    Intensivmedizin bedeutet Schichtdienst, Nachtarbeit und hohe Belastung. Wer die Zusatzbezeichnung erwirbt, sollte wissen, ob er sie fünf oder fünfundzwanzig Jahre ausüben will, und den Vertrag entsprechend verhandeln.

Tarifliche Einordnung nach § 16 TV-Ärzte/VKA. Weiter: Karriere als Oberarzt · Oberarztvertrag · Bereitschaftsdienst und Rufbereitschaft

Planung

Vier Schritte, bevor Sie anfangen.

  1. 1

    Weiterbildungsordnung der Landesärztekammer lesen

    Nicht die MWBO, sondern die für Sie geltende Fassung. Dauer, Inhalte, Anrechnung und Übergangsregelungen können abweichen.

  2. 2

    Anrechnung klären

    Welche Zeiten aus der Facharztweiterbildung erkennt die Kammer an? Schriftlich anfragen, bevor Sie die Stelle wählen.

  3. 3

    Befugnis und Struktur der Stätte prüfen

    Volle oder anteilige Befugnis, Bettenzahl, Fallspektrum, Beatmungs- und Nierenersatzzahlen, Rotationsmöglichkeiten. Was die Station nicht hat, können Sie nicht lernen.

  4. 4

    Vertrag und Perspektive verhandeln

    Wer für die Zusatzbezeichnung wechselt, sollte Weiterbildungszeit, Dienstmodell und die Perspektive danach schriftlich festhalten, etwa die Oberarztposition nach Abschluss.

Unsere Rolle

Wir wissen, welche Häuser Intensivmediziner suchen und welche die Weiterbildung anbieten.

Intensivmedizinisch qualifizierte Fachärztinnen und Fachärzte gehören zu den am häufigsten gesuchten Profilen unserer Auftraggeber. Wir kennen die Stationen, die Befugnis für die Zusatz-Weiterbildung haben, und die Häuser, die nach Abschluss eine Oberarztposition daran knüpfen. Wenn Sie die Zusatzbezeichnung planen oder bereits führen, ordnen wir ein, was Ihr Profil im Markt wert ist.

  • Diskret
  • Unverbindlich
  • Für Ärztinnen und Ärzte kostenfrei
  • Kein Kontakt zu Ihrem Arbeitgeber ohne Ihre Zustimmung
Arzt und Sanovetis-Beraterin im Gespräch über eine Position mit Intensivmedizin
Häufige Fragen

Zusatzbezeichnung Intensivmedizin: fünf Fragen, fünf Antworten.

Wer kann die Zusatzbezeichnung Intensivmedizin erwerben?
Nach der Musterweiterbildungsordnung Fachärztinnen und Fachärzte der Anästhesiologie, der Gebiete der Chirurgie, der Inneren Medizin, der Kinder- und Jugendmedizin, der Neurochirurgie und der Neurologie. Die Zusatz-Weiterbildung baut auf der Facharztanerkennung auf und wird gebietsbezogen geführt.
Wie lange dauert die Zusatz-Weiterbildung Intensivmedizin?
18 Monate Weiterbildung unter Befugnis an einer zugelassenen Weiterbildungsstätte. Bis zu 6 Monate intensivmedizinischer Weiterbildung aus der Facharztweiterbildung können angerechnet werden, wenn mindestens 12 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten für Intensivmedizin abgeleistet werden. Maßgeblich ist die Weiterbildungsordnung der Landesärztekammer.
Welche Inhalte umfasst die Zusatz-Weiterbildung?
Unter anderem Überwachung und Behandlung kritisch kranker Patienten, Beatmung und Entwöhnung, hämodynamisches Monitoring und Kreislaufunterstützung, Nierenersatzverfahren, Sepsis und Multiorganversagen, Ernährung, Analgosedierung und Delir, Neuromonitoring, Reanimation, Organspende, Hygiene sowie ethische und rechtliche Fragen. Gebietsspezifisch kommen Richtzahlen hinzu.
Bringt die Zusatzbezeichnung Intensivmedizin mehr Gehalt?
Der TV-Ärzte/VKA sieht keine eigene Zulage für Zusatzbezeichnungen vor. Die Wirkung entsteht über die Position: Sie ist häufig Voraussetzung für die oberärztliche Leitung einer Intensivstation und damit für die Eingruppierung als Oberarzt oder Leitender Oberarzt, stärkt die Verhandlungsposition bei außertariflichen Verträgen und öffnet Leitungspositionen.
Wie viele Ärzte haben die Zusatzbezeichnung Intensivmedizin?
Nach der Ärztestatistik der Bundesärztekammer für 2025 waren 15.643 Ärztinnen und Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Intensivmedizin registriert. Sie gehört damit zu den häufigsten und zugleich am stärksten nachgefragten Zusatzbezeichnungen.

Stand: September 2026. Angaben nach MWBO 2018 und Ärztestatistik der Bundesärztekammer. Diese Seite ordnet ein und ersetzt weder die Weiterbildungsordnung Ihrer Landesärztekammer noch eine Rechtsberatung.

Nächster Schritt

Sie führen die Zusatzbezeichnung oder planen sie?

Dann lohnt sich ein Gespräch über Ihre Möglichkeiten: Weiterbildungsstätten mit Befugnis, Oberarztpositionen auf Intensivstationen, Leitungspositionen mit Intensivmedizin. Vertraulich und ohne Verpflichtung.

Beratungsgespräch zur Zusatzbezeichnung Intensivmedizin

Sanovetis vermittelt Fachärztinnen und Fachärzte, Oberärztinnen und Oberärzte sowie ärztliche Leitungen. Für Ärztinnen und Ärzte ist die Vermittlung kostenfrei.