Zusatzbezeichnungen

Zusatzbezeichnung Notfallmedizin: Voraussetzungen, Kurs, Einsätze und Perspektiven

Die Zusatz-Weiterbildung Notfallmedizin umfasst nach der (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018 das Erkennen drohender oder eingetretener Notfallsituationen und die Behandlung von Notfällen sowie die Wiederherstellung und Aufrechterhaltung akut bedrohter Vitalfunktionen. Sie qualifiziert für den präklinischen Notarztdienst und ist eine der wenigen Zusatzbezeichnungen ohne Facharztvoraussetzung. Diese Seite erklärt die vier Bausteine, die Abgrenzung zur Klinischen Akut- und Notfallmedizin und den Nutzen für die Karriere.

  • 24 Monate
  • 6 Monate Intensiv
  • 80-Stunden-Kurs
  • 50 Einsätze
  • Abgrenzung
  • Perspektiven
Ärztinnen und Ärzte im Klinikteam bei der Versorgung eines Notfalls
Für wen diese Seite ist
Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung sowie Fachärztinnen und Fachärzte
die als Notärztin oder Notarzt tätig werden oder ihre Qualifikation für Notaufnahme und Intensivmedizin ausbauen wollen
Kurz gesagt

Vier Bausteine, keine Facharztpflicht: die Zusatz-Weiterbildung Notfallmedizin.

Nach der MWBO 2018 setzt die Zusatzbezeichnung Notfallmedizin voraus: 24 Monate Weiterbildung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung im stationären Bereich, davon 6 Monate in Intensivmedizin, Anästhesiologie oder einer interdisziplinären Notaufnahme; einen 80-Stunden-Kurs „Allgemeine und spezielle Notfallbehandlung"; danach 50 Notarzteinsätze unter Anleitung auf Notarzteinsatzfahrzeug oder Rettungshubschrauber. Eine Facharztanerkennung ist nicht erforderlich, und die klinischen 24 Monate können Teil der Facharztweiterbildung sein; Notfallmedizin ist die ausdrückliche Ausnahme vom Grundsatz, dass Zusatz-Weiterbildungszeiten zusätzlich abzuleisten sind. Davon zu unterscheiden ist die Zusatz-Weiterbildung Klinische Akut- und Notfallmedizin für die Arbeit in zentralen Notaufnahmen, die eine Facharztanerkennung voraussetzt.

24

Monate stationär

Weiterbildung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung im stationären Bereich, zum Beispiel Anästhesiologie, Innere Medizin, Chirurgie.

6

Monate davon Intensiv, Anästhesie oder Notaufnahme

Intensivmedizin, Anästhesiologie oder interdisziplinäre zentrale Notaufnahme; Teil der 24 Monate.

80

Stunden Kurs

Kurs-Weiterbildung „Allgemeine und spezielle Notfallbehandlung" nach dem Kursbuch der Bundesärztekammer, angeboten von Ärztekammern und anerkannten Veranstaltern.

50

Notarzteinsätze

Unter Anleitung einer verantwortlichen Notärztin oder eines Notarztes auf Notarzteinsatzfahrzeug oder Rettungshubschrauber, dokumentiert und bestätigt.

Voraussetzungen im Detail

Was die vier Bausteine konkret verlangen, und in welcher Reihenfolge sie sinnvoll sind.

BausteinRegelung nach MWBO 2018Praktischer Hinweis
Klinische Weiterbildung24 Monate in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung im stationären Bereich.Kann innerhalb der Facharztweiterbildung liegen. Gebiete der unmittelbaren Patientenversorgung sind in der MWBO definiert; typisch sind Anästhesiologie, Innere Medizin, Chirurgie, Allgemeinmedizin (stationärer Abschnitt), Neurologie, Kinder- und Jugendmedizin.
Intensiv, Anästhesie oder Notaufnahme6 Monate Intensivmedizin, Anästhesiologie oder interdisziplinäre Notaufnahme, als Teil der 24 Monate.Rotationen auf Intensivstation sind in vielen Facharztweiterbildungen ohnehin vorgesehen; planen Sie sie so, dass sie zeitlich vor dem Kurs und den Einsätzen liegen.
Kurs80 Stunden Kurs-Weiterbildung „Allgemeine und spezielle Notfallbehandlung".Kurse nach dem Kursbuch der Bundesärztekammer, mit praktischen Anteilen (Atemwegsmanagement, Reanimation, Traumaversorgung, Einsatztaktik). Frühzeitig buchen; Plätze sind begrenzt.
Einsätze50 Notarzteinsätze unter Anleitung, im Anschluss an Kurs und klinische Zeit, auf NEF oder RTH.Mitfahrten organisieren Kliniken mit Notarztstandort oder Rettungsdienstträger; jeder Einsatz wird mit Einsatzprotokoll dokumentiert und von der verantwortlichen Notärztin oder dem Notarzt bestätigt.
PrüfungFachgespräch vor dem Prüfungsausschuss der Landesärztekammer nach Nachweis aller Bausteine.Antrag mit Zeugnissen, Kursbescheinigung und Einsatznachweisen; die Kammer prüft Vollständigkeit und Fassung der Weiterbildungsordnung.
Landesrecht beachten: Die Zusatzbezeichnung ist die ärztliche Qualifikation. Ob und mit welchen Übergangsfristen sie für den Einsatz als Notärztin oder Notarzt im jeweiligen Bundesland vorausgesetzt wird, regeln die Rettungsdienstgesetze der Länder. Ältere Fachkundenachweise werden dort unterschiedlich behandelt.
Inhalte

Kompetenzen der Notfallmedizin: was Kurs, Klinik und Einsätze vermitteln.

Die MWBO beschreibt Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten. Die folgende Übersicht fasst die Kompetenzfelder zusammen.

Vitalfunktionen

Sichern und wiederherstellen

  • Kardiopulmonale Reanimation nach aktuellen Leitlinien, erweiterte Maßnahmen, Postreanimationsbehandlung
  • Atemwegsmanagement einschließlich Intubation, alternative Atemwegshilfen, Beatmung im Einsatz
  • Kreislauftherapie, Gefäßzugänge einschließlich intraossär, Volumen- und Katecholamintherapie
  • Analgesie, Sedierung und Notfallnarkose außerhalb der Klinik
Krankheitsbilder

Internistische, neurologische, pädiatrische Notfälle

  • Akutes Koronarsyndrom, Rhythmusstörungen, Lungenödem, Lungenembolie, Schock
  • Schlaganfall, Krampfanfall, Bewusstseinsstörungen, Intoxikationen
  • Kindernotfälle, geburtshilfliche Notfälle, psychiatrische Notfälle
  • Stoffwechselentgleisungen, Anaphylaxie, Hypothermie und Hitzeschäden
Trauma

Verletzungen und Unfälle

  • Strukturierte Untersuchung und Versorgung Schwerverletzter, Schockraumanmeldung
  • Thoraxdrainage, Beckenschlinge, Immobilisation, Blutstillung
  • Verbrennungen, Ertrinken, Stromunfälle, Tauchunfälle
  • Traumamanagement bei Kindern und älteren Menschen
Einsatz

Taktik, Recht, Zusammenarbeit

  • Einsatztaktik, Zusammenarbeit mit Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei und Leitstelle
  • Massenanfall von Verletzten, Sichtung, Rolle der Leitenden Notärztin oder des Leitenden Notarztes
  • Rechtliche Grundlagen: Rettungsdienstgesetze, Einwilligung, Unterbringung, Todesfeststellung
  • Dokumentation, Übergabe in der Klinik, Qualitätsmanagement und Nachbesprechung
Abgrenzung

Notfallmedizin, Klinische Akut- und Notfallmedizin, Intensivmedizin: drei Bezeichnungen, drei Rollen.

BezeichnungVoraussetzung nach MWBO 2018Wofür sie steht
Notfallmedizin24 Monate stationär (davon 6 Intensiv/Anästhesie/Notaufnahme), 80-Stunden-Kurs, 50 Einsätze; keine FacharztpflichtPräklinischer Notarztdienst auf NEF und RTH
Klinische Akut- und NotfallmedizinFacharztanerkennung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung, 80-Stunden-Kurs, 24 Monate klinische Akut- und Notfallmedizin unter BefugnisÄrztliche Tätigkeit und Leitung in zentralen Notaufnahmen
IntensivmedizinFacharztanerkennung in Anästhesiologie, Chirurgie, Innerer Medizin, Kinder- und Jugendmedizin, Neurochirurgie oder Neurologie, 18 Monate Intensivmedizin unter BefugnisIntensivstationen, intensivmedizinische Leitungsfunktionen

Vertiefung: Zusatzbezeichnung Intensivmedizin und Zusatzbezeichnungen: Übersicht.

Perspektiven

Was die Zusatzbezeichnung beruflich bewirkt.

Klinik

Notaufnahme und Intensiv

Kliniken erwarten Notfallmedizin häufig von Oberärztinnen und Oberärzten in Notaufnahme, Anästhesie und Intensivmedizin. In Kombination mit der Facharztanerkennung und der Klinischen Akut- und Notfallmedizin öffnet sie den Weg in die Leitung zentraler Notaufnahmen.

Karriere als Oberarzt →
Rettungsdienst

Notarzt, Leitender Notarzt, Ärztliche Leitung

Regelmäßige Notarztdienste, Qualifikation zur Leitenden Notärztin oder zum Leitenden Notarzt, Ärztliche Leitung Rettungsdienst: Funktionen mit eigener Vergütung und Verantwortung neben oder nach der Klinikkarriere.

Praxis und Land

Hausärztliche Versorgung

Für Hausärztinnen und Hausärzte in ländlichen Regionen ist Notfallmedizin oft Teil des Versorgungsauftrags und ein Argument in Förderprogrammen der Kassenärztlichen Vereinigungen.

Fachbereich Allgemeinmedizin →
Der Ablauf

In vier Schritten zur Urkunde.

  1. 1

    Klinische Zeit planen

    Rotationen so legen, dass 24 Monate stationär und 6 Monate Intensiv, Anästhesie oder Notaufnahme zusammenkommen; Zeugnisse nach § 8 sichern.

  2. 2

    Kurs absolvieren

    80-Stunden-Kurs „Allgemeine und spezielle Notfallbehandlung" bei der Ärztekammer oder einem anerkannten Anbieter; Bescheinigung aufbewahren.

  3. 3

    50 Einsätze fahren

    Mitfahrten am Notarztstandort organisieren, Einsatzprotokolle führen, Bestätigung durch die verantwortliche Notärztin oder den Notarzt.

  4. 4

    Antrag und Fachgespräch

    Unterlagen bei der Landesärztekammer einreichen, Fachgespräch absolvieren, Urkunde erhalten; danach Anerkennung beim Rettungsdienstträger klären.

Unsere Rolle

Positionen mit Notaufnahme, Intensiv und Notarztstandort: wir kennen die Häuser.

Sanovetis vermittelt Fachärztinnen und Fachärzte in Anästhesiologie, Innere Medizin, Chirurgie und weiteren Fächern in Kliniken mit zentraler Notaufnahme, Intensivstation und angebundenem Notarztstandort. Wenn Sie die Zusatzbezeichnung nutzen oder erwerben wollen, sagen wir Ihnen, welche Häuser das ermöglichen.

  • Für Ärztinnen und Ärzte kostenfrei
  • Vertraulich
  • Kein Kontakt zu Ihrem Arbeitgeber ohne Ihre Zustimmung
Ärztliches Team bespricht Unterlagen in der Klinik
Häufige Fragen

Was zur Zusatzbezeichnung Notfallmedizin am häufigsten gefragt wird.

Welche Voraussetzungen gelten für die Zusatzbezeichnung Notfallmedizin?
Nach der (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018: 24 Monate Weiterbildung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung im stationären Bereich, davon 6 Monate in Intensivmedizin, Anästhesiologie oder einer interdisziplinären Notaufnahme; ein 80-Stunden-Kurs „Allgemeine und spezielle Notfallbehandlung"; anschließend 50 Notarzteinsätze unter Anleitung einer verantwortlichen Notärztin oder eines Notarztes auf Notarzteinsatzfahrzeug oder Rettungshubschrauber. Verbindlich ist die Weiterbildungsordnung Ihrer Landesärztekammer.
Brauche ich die Facharztanerkennung?
Nein. Notfallmedizin ist eine der wenigen Zusatz-Weiterbildungen, die keine Facharztanerkennung voraussetzt. Die 24 Monate klinische Weiterbildung können während der Facharztweiterbildung abgeleistet werden; Notfallmedizin ist die ausdrückliche Ausnahme vom Grundsatz, dass Zusatz-Weiterbildungszeiten zusätzlich zu absolvieren sind.
Was ist der Unterschied zur Zusatzbezeichnung Klinische Akut- und Notfallmedizin?
Notfallmedizin qualifiziert für den präklinischen Notarztdienst. Die Zusatz-Weiterbildung Klinische Akut- und Notfallmedizin (neu in der MWBO 2018) richtet sich an Fachärztinnen und Fachärzte, die zentrale Notaufnahmen leiten oder dort ärztlich tätig sind: Voraussetzung ist eine Facharztanerkennung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung, dazu 24 Monate in der klinischen Akut- und Notfallmedizin und der 80-Stunden-Kurs.
Wo mache ich die 50 Notarzteinsätze?
Auf einem Notarzteinsatzfahrzeug oder Rettungshubschrauber unter Anleitung einer verantwortlichen Notärztin oder eines Notarztes; die Einsätze werden dokumentiert und bestätigt. Träger des Rettungsdienstes und Kliniken mit Notarztstandort organisieren die Mitfahrten, teils über Praktikumsvereinbarungen.
Was ist mit den Fachkundenachweisen der Landesrettungsdienstgesetze?
Die Zusatzbezeichnung Notfallmedizin ist in den meisten Bundesländern die Voraussetzung für die Tätigkeit als Notärztin oder Notarzt; die Rettungsdienstgesetze der Länder regeln Details, Übergangsfristen und die Anerkennung älterer Fachkundenachweise („Fachkunde Rettungsdienst"). Erkundigen Sie sich beim Träger des Rettungsdienstes und Ihrer Kammer.
Wie zeitaufwendig ist der Notarztdienst neben der Klinik?
Notarztdienste werden meist als Bereitschaftsdienste an Notarztstandorten geleistet, im Krankenhaus als Teil des Dienstplans oder als Nebentätigkeit, die genehmigungspflichtig sein kann. Prüfen Sie Arbeitsvertrag und Tarifvertrag; die Regelungen zu Nebentätigkeiten und Arbeitszeit gelten auch für Notarztdienste.
Zählt Notfallmedizin für die Karriere?
Ja, vor allem in Anästhesiologie, Innerer Medizin, Chirurgie und Allgemeinmedizin: als Qualifikation für Notaufnahmen, für die ärztliche Leitung von Rettungsdienstbereichen, für die Tätigkeit als Leitende Notärztin oder Leitender Notarzt und als Nachweis von Handlungskompetenz in Akutsituationen. Viele Kliniken erwarten sie von Oberärztinnen und Oberärzten in Notaufnahme und Intensivmedizin.
Vermittelt Sanovetis Positionen mit Notarzttätigkeit?
Ja, für Fachärztinnen und Fachärzte: Positionen in zentralen Notaufnahmen, Intensivstationen, Anästhesie und Innerer Medizin, teils mit angebundenem Notarztstandort. Für Ärztinnen und Ärzte ist die Vermittlung kostenfrei.

Stand: September 2026. Grundlage: (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018 der Bundesärztekammer, Abschnitt C, Zusatz-Weiterbildungen Notfallmedizin, Klinische Akut- und Notfallmedizin und Intensivmedizin, in der Fassung vom Juli 2026; Rettungsdienstgesetze der Länder. Diese Seite ersetzt keine Auskunft Ihrer Ärztekammer.

Notfallmedizin als Karrierebaustein

Wir kennen die Kliniken, in denen Notfallmedizin gelebt wird.

Fachärztinnen und Fachärzte sprechen mit uns vertraulich über Positionen in Notaufnahme, Intensivmedizin und Anästhesie. Für Ärztinnen und Ärzte kostenfrei.

Beratungsgespräch mit einer Ärztin bei Sanovetis

Sanovetis vermittelt Fachärztinnen und Fachärzte, Oberärztinnen und Oberärzte sowie ärztliche Leitungen in Klinik, MVZ und Praxis. Für Ärztinnen und Ärzte ist die Vermittlung kostenfrei.