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Facharztstelle Gastroenterologie: Warum mehr als das Gehalt entscheidet

Tarif ist vergleichbar, der Alltag nicht: Worauf Ärztinnen und Ärzte bei einer Facharztstelle Gastroenterologie achten sollten, von Endoskopie und Rufbereitschaft bis zur KV-Genehmigung.

Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte im Flur einer Klinik
In diesem Artikel
  1. 01Facharztstelle Gastroenterologie: Die Kurzfassung
  2. 02Wie groß das Fachgebiet ist
  3. 03Diagnostische und interventionelle Gastroenterologie
  4. 04Endoskopiestrukturen: Was Sie vor Ort prüfen sollten
  5. 05Klinik oder ambulante Versorgung
  6. 06Vergütung: Tarif und was darüber hinaus zählt
  7. 07Dienste
  8. 08Perspektiven nach dem Facharzt
  9. 09Checkliste für den Stellenwechsel
  10. 10Häufige Fragen zur Facharztstelle Gastroenterologie
  11. 11Fazit
  12. 12Quellen

Bei einer Facharztstelle Gastroenterologie entscheiden im Oktober 2026 Endoskopiestruktur, Dienstmodell, Versorgungsform und Entwicklungsweg oft stärker über die Zufriedenheit als das Grundgehalt. Das Tarifentgelt ist in vielen Kliniken festgelegt und vergleichbar. Welche Eingriffe Sie selbst durchführen, wie die Rufbereitschaft organisiert ist und ob Ihnen eine Funktion übertragen wird, unterscheidet sich dagegen von Haus zu Haus. Dieser Beitrag ordnet die wichtigsten Faktoren ein und endet mit einer Checkliste für den Wechsel. Einen Überblick über das Fachgebiet und aktuelle Stellen finden Sie auf unserer Seite zur Gastroenterologie für Ärztinnen und Ärzte.

Facharztstelle Gastroenterologie: Die Kurzfassung

  • Im kommunalen Krankenhaus liegt das Tabellenentgelt nach TV-Ärzte/VKA ab 1. Juni 2026 in Stufe 1 bei 7.552,19 Euro für Fachärztinnen und Fachärzte und bei 9.459,56 Euro für Oberärztinnen und Oberärzte.
  • Der größere Unterschied zwischen zwei Stellen liegt im Leistungsspektrum: diagnostische Endoskopie oder interventionelle Verfahren wie ERCP und Endosonographie.
  • Rufbereitschaft für Notfallendoskopien gehört in Häusern der erweiterten und umfassenden Notfallversorgung zur Pflichtausstattung.
  • Ambulant setzt die Koloskopie eine KV-Genehmigung mit Mindestmengen voraus; die Bedarfsplanung begrenzt den Anteil der Gastroenterologie unter den Fachinternisten.
  • Krankenhausreform und Hybrid-DRG verändern, wo welche Eingriffe künftig stattfinden.

Wie groß das Fachgebiet ist

Laut Ärztestatistik der Bundesärztekammer zum 31.12.2025 waren 2.419 Ärztinnen und Ärzte mit der Bezeichnung „Innere Medizin und Gastroenterologie“ berufstätig. 1.676 davon arbeiteten stationär, darunter 282 in leitender Funktion. 702 waren ambulant tätig, 379 niedergelassen und 323 angestellt. Hinzu kommen 1.919 Berufstätige mit der älteren Schwerpunktbezeichnung Gastroenterologie, von denen 941 ambulant arbeiteten.

Die Weiterbildung dauert nach dem fachlich empfohlenen Weiterbildungsplan der Bundesärztekammer 72 Monate, davon 36 Monate in der Gastroenterologie. Als Richtzahlen nennt der Plan unter anderem 300 Ösophagogastroduodenoskopien, 300 Koloskopien und 100 Endosonographien. Verbindlich ist die Weiterbildungsordnung Ihrer Landesärztekammer.

Diagnostische und interventionelle Gastroenterologie

Hinter dem „gesamten Spektrum“ vieler Stellenanzeigen verbergen sich sehr unterschiedliche Arbeitsprofile.

Diagnostischer Schwerpunkt

Im Mittelpunkt stehen Gastroskopie, Koloskopie mit Polypektomie, Abdomensonographie und die Betreuung chronisch kranker Patientinnen und Patienten, etwa mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen oder Lebererkrankungen. Dieses Profil prägt viele Praxen, MVZ und Häuser der Grundversorgung.

Interventioneller Schwerpunkt

Hierzu zählen ERCP, interventionelle Endosonographie mit Punktion, Stenteinlagen, Varizentherapie, endoskopische Resektionen und Blutstillung. Für die ERCP sieht der Weiterbildungsplan der Bundesärztekammer nur Indikationsstellung und Mitwirkung vor, keine eigene Richtzahl. Wer Gallen- und Pankreasgangeingriffe selbstständig durchführen möchte, braucht deshalb eine Stelle, in der diese Eingriffe regelmäßig stattfinden und Anleitung durch erfahrene Kolleginnen und Kollegen möglich ist.

Endoskopiestrukturen: Was Sie vor Ort prüfen sollten

Die Organisation der Endoskopie bestimmt einen großen Teil Ihres Arbeitstags.

  • Organisation: Gibt es eine zentrale Endoskopie für mehrere Fachabteilungen oder eine Einheit der Gastroenterologie? Wer plant das Programm, und wie viele Untersuchungsräume stehen zur Verfügung?
  • Sedierung und Assistenz: Nach der S3-Leitlinie Sedierung in der gastrointestinalen Endoskopie der DGVS soll eine Person ausschließlich für die Aufrechterhaltung und Überwachung der Sedierung verantwortlich sein. Klären Sie, ob dafür ausreichend qualifiziertes Assistenzpersonal eingeplant ist oder ob Ärztinnen und Ärzte diese Aufgabe zusätzlich übernehmen.
  • Geräte und Aufbereitung: Fragen Sie nach Duodenoskopen, Endosonographiegeräten, Durchleuchtung für die ERCP und nach dem Ablauf der Geräteaufbereitung.
  • Notfallendoskopie: Krankenhäuser der erweiterten und umfassenden Notfallversorgung müssen nach den Notfallstufen-Regelungen des G-BA eine kontinuierliche Möglichkeit zur notfallendoskopischen Intervention am oberen Gastrointestinaltrakt vorhalten; der Änderungsbeschluss vom 20. November 2025 formuliert das als „jederzeit (24/7)“. Für Sie bedeutet das in der Regel eine Rufbereitschaft für gastrointestinale Blutungen.

Klinik oder ambulante Versorgung

Krankenhaus

Die Krankenhausreform ordnet Leistungen künftig Leistungsgruppen zu. Für die Leistungsgruppe „Komplexe Gastroenterologie“ verlangt Anlage 1 zu § 135e SGB V drei Fachärztinnen oder Fachärzte mit mindestens jederzeitiger Rufbereitschaft, davon mindestens zwei für Innere Medizin und Gastroenterologie, sowie jederzeit Endoskopie, Sonographie, Endosonographie und CT. Die Leistungsgruppe Pankreaseingriffe setzt zusätzlich interventionelle Endoskopie einschließlich ERCP und zwei gastroenterologische Fachärzte voraus. Fragen Sie deshalb, welche Leistungsgruppen Ihr künftiges Haus beantragt hat. Mehr zu den Folgen für Leitungsverträge lesen Sie in unserem Beitrag zur Entwicklungsklausel im Chefarztvertrag.

Praxis und MVZ

Für Koloskopien zulasten der GKV brauchen Sie eine Genehmigung Ihrer Kassenärztlichen Vereinigung nach der Qualitätssicherungsvereinbarung Koloskopie. Voraussetzung sind unter anderem 200 Koloskopien und 50 Polypektomien unter Anleitung innerhalb von zwei Jahren. Um die Genehmigung zu behalten, sind mindestens 200 totale Koloskopien und zehn Polypektomien in jeweils zwölf Monaten nötig. Hinzu kommen jährliche Dokumentationsprüfungen und eine unangemeldete Hygieneprüfung je Kalenderhalbjahr. Prüfen Sie daher vor einem Wechsel, ob das Patientenaufkommen für alle Ärztinnen und Ärzte der Praxis reicht.

Das Aufkommen hängt auch von der Früherkennung ab: Seit dem Beschluss des G-BA vom 16. Januar 2025 haben Frauen und Männer ab 50 Jahren denselben Anspruch auf zwei Früherkennungskoloskopien im Abstand von zehn Jahren.

Gastroenterologinnen und Gastroenterologen werden in der Bedarfsplanungs-Richtlinie des G-BA in der Gruppe der fachärztlich tätigen Internisten geplant. Innerhalb dieser Gruppe gilt ein Höchstversorgungsanteil: Gastroenterologen dürfen laut dem Beschluss des Landesausschusses Bayern vom 7. August 2026 höchstens 19 Prozent der regionalen Verhältniszahl ausmachen, für die Nephrologie liegt die Grenze bei 25 Prozent. Ist die Quote erreicht, sind neue Sitze für Gastroenterologie im Planungsbereich nicht möglich.

Ambulantisierung

Der AOP-Katalog nach § 115b SGB V legt fest, welche Eingriffe Krankenhäuser in der Regel ambulant erbringen sollen; Vertragsärztinnen und Vertragsärzte können sie ebenfalls abrechnen. Für die Endosonographie von Magen, Ösophagus, Duodenum, Gallenwegen und Pankreas steht nach einer KBV-Meldung vom Juli 2026 die Anpassung im EBM noch aus; ein Beschluss ist bis Jahresende angekündigt. Der Hybrid-DRG-Leistungskatalog 2026 enthält unter anderem OPS-Kodes für die endoskopische Papillotomie, die Steinentfernung aus den Gallengängen und die endosonographische Feinnadelpunktion am Pankreas. Wie sich die sektorengleiche Vergütung entwickelt, beschreibt unser Beitrag zur Hybrid-DRG aus Kurzzeitfallpauschalen. Wie stark sich interventionelle Fälle dadurch aus dem Krankenhaus verlagern, ist zum Stand Oktober 2026 offen.

Vergütung: Tarif und was darüber hinaus zählt

In kommunalen Krankenhäusern gilt der TV-Ärzte/VKA bei 40 Wochenstunden. Laut Entgelttabelle des Marburger Bundes beträgt das Monatsentgelt ab 1. Juni 2026 in Stufe 1:

  • Fachärztin oder Facharzt (Ä2): 7.552,19 Euro
  • Oberärztin oder Oberarzt (Ä3): 9.459,56 Euro
  • Leitende Oberärztin oder leitender Oberarzt (Ä4): 11.127,50 Euro

Nach § 16 des TV-Ärzte/VKA ist Oberärztin oder Oberarzt, wem der Arbeitgeber die medizinische Verantwortung für einen selbstständigen Teil- oder Funktionsbereich ausdrücklich übertragen hat. Die Endoskopie kann ein solcher Funktionsbereich sein; entscheidend ist die schriftliche Übertragung. Ä4 setzt die ausdrücklich übertragene ständige Vertretung der Chefärztin oder des Chefarztes voraus. Universitätskliniken, kirchliche und private Träger wenden andere Tarifwerke oder Haustarife an, im MVZ und in der Praxis wird die Vergütung frei verhandelt.

Neben dem Tabellenentgelt zählen Stufenanerkennung, Dienstvergütung, Fortbildungsbudget, Freistellung für Kurse und die Frage, ob Sie Ihre Endoskopiezahlen für eine spätere Genehmigung oder Leitungsfunktion aufbauen können.

Dienste

Der TV-Ärzte/VKA begrenzt Dienste in § 10 grundsätzlich auf vier Bereitschaftsdienste und 13 Rufbereitschaften im Kalendermonat. In der Gastroenterologie kommt häufig beides zusammen: internistische Bereitschaftsdienste und eine fachspezifische Rufbereitschaft für die Endoskopie. Fragen Sie, wie oft Sie tatsächlich aus der Rufbereitschaft ins Haus kommen, wie der Folgetag geregelt ist und ob die Rufbereitschaft mit benachbarten Standorten geteilt wird. Wenn Sie in reduziertem Umfang arbeiten möchten, lesen Sie unseren Beitrag zu Teilzeitmodellen für Ärzte.

Perspektiven nach dem Facharzt

  • Oberärztin oder Oberarzt: häufig mit Verantwortung für Endoskopie, Sonographie oder eine Spezialambulanz.
  • Leitende Oberärztin oder leitender Oberarzt: ständige Vertretung der Chefärztin oder des Chefarztes, oft mit Verantwortung für Dienstplanung und Weiterbildung.
  • Chefärztin oder Chefarzt: Leitung einer gastroenterologischen oder internistischen Klinik.
  • Ärztliche Leitung im MVZ: Verantwortung für Abläufe, Genehmigungen und Qualitätssicherung.
  • Hepatologie: Leberambulanzen und Zentren mit Bezug zu Lebereingriffen.
  • Gastroenterologische Onkologie: etwa in onkologischen Zentren mit Tumorkonferenzen.

Die Muster-Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer sieht unter anderem die Zusatz-Weiterbildungen Proktologie, Medikamentöse Tumortherapie, Ernährungsmedizin und Intensivmedizin vor. Fragen Sie, ob Ihr künftiger Arbeitgeber die Befugnis dafür hat. Den Weg vom Facharzt über den Oberarzt bis zur Chefarztposition beschreibt unser Beitrag Facharzt, Oberarzt, Chefarzt, verwandte Stellenprofile finden Sie unter Innere Medizin.

Checkliste für den Stellenwechsel

  1. Welche Eingriffe führe ich selbst durch, und welche Fallzahlen hat die Abteilung bei ERCP und Endosonographie?
  2. Wie ist die Endoskopie organisiert, und wer überwacht die Sedierung?
  3. Welche Geräte stehen zur Verfügung, und wie läuft die Aufbereitung?
  4. Wie viele Bereitschaftsdienste und Rufbereitschaften fallen im Monat an, und wie oft wird man tatsächlich gerufen?
  5. Welche Notfallstufe und welche Leistungsgruppen hat das Haus?
  6. Wird mir eine Funktion schriftlich übertragen, und welche Eingruppierung folgt daraus?
  7. Gilt ein Tarifvertrag, und wenn nicht, wie werden Dienste vergütet?
  8. Im MVZ oder in der Praxis: Reicht das Aufkommen für meine Koloskopie-Genehmigung, und wer stellt den Antrag?
  9. Welche Zusatz-Weiterbildungen sind möglich, und gibt es ein Fortbildungsbudget?
  10. Gibt es eine realistische Perspektive auf eine Oberarzt- oder Leitungsfunktion?

Häufige Fragen zur Facharztstelle Gastroenterologie

Was ist eine Facharztstelle Gastroenterologie?

Eine Facharztstelle Gastroenterologie ist eine Position für Ärztinnen und Ärzte mit abgeschlossener Weiterbildung in Innerer Medizin und Gastroenterologie. Sie umfasst je nach Arbeitgeber diagnostische und interventionelle Endoskopie, Sonographie, stationäre oder ambulante Patientenversorgung sowie Dienste. Angeboten wird sie in Krankenhäusern, Universitätskliniken, Praxen und Medizinischen Versorgungszentren, meist mit Endoskopie als Kern.

Was verdient man auf einer Facharztstelle Gastroenterologie nach Tarif?

Im kommunalen Krankenhaus nach TV-Ärzte/VKA ab 1. Juni 2026 in Stufe 1 monatlich 7.552,19 Euro, als Oberärztin oder Oberarzt 9.459,56 Euro. Dienste werden zusätzlich vergütet. Andere Träger und ambulante Arbeitgeber haben eigene Regelungen.

Brauche ich für Koloskopien in der Praxis eine eigene Genehmigung?

Ja. Die Kassenärztliche Vereinigung erteilt sie nach der Qualitätssicherungsvereinbarung Koloskopie, unter anderem nach 200 Koloskopien und 50 Polypektomien unter Anleitung. Zur Aufrechterhaltung sind mindestens 200 totale Koloskopien und zehn Polypektomien in zwölf Monaten nötig.

Wie viele Dienste kommen in der Gastroenterologie auf mich zu?

Das hängt vom Haus ab. Der TV-Ärzte/VKA begrenzt grundsätzlich auf vier Bereitschaftsdienste und 13 Rufbereitschaften im Monat. Häuser mit erweiterter Notfallversorgung brauchen eine ständige Notfallendoskopie, daher ist eine Rufbereitschaft üblich.

Was ändert die Krankenhausreform für gastroenterologische Stellen?

Kliniken brauchen für die Leistungsgruppe Komplexe Gastroenterologie mindestens drei Fachärztinnen oder Fachärzte in jederzeitiger Rufbereitschaft, davon zwei mit gastroenterologischer Qualifikation. Häuser, die diese Leistungsgruppe nicht erhalten, verändern ihr Spektrum. Fragen Sie deshalb nach dem Stand der Zuweisung.

Fazit

Das Tarifentgelt macht Stellen in kommunalen Krankenhäusern gut vergleichbar. Den Unterschied machen das Leistungsspektrum, die Organisation der Endoskopie, die Dienstbelastung und die Frage, ob eine Funktion schriftlich übertragen wird. Ambulant kommen Koloskopie-Genehmigung, Patientenaufkommen und Bedarfsplanung hinzu. Offen bleibt, wie Leistungsgruppen, Hybrid-DRG und AOP-Katalog die interventionelle Endoskopie zwischen Klinik und Praxis verteilen werden.

Sie prüfen eine Facharzt- oder Oberarztstelle in der Gastroenterologie oder möchten ein Angebot einordnen? Schreiben Sie uns an info@sanovetis.de oder vereinbaren Sie einen Termin. Aktuelle internistische Stellen finden Sie im Stellenportal von Sanovetis.

Quellen

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